Sourire de Pintade

 

Das Lächeln des Perlhuhns

Ich habe mich während einer Reise nach Südafrika in die Perlhühner verliebt. Ihr schriller Schrei hat meine schlaflosen Nächte in einem dieser so weissen, so ruhigen, so unglaublich reichen Viertel getröstet. Es ist überall, Pöbel in den öffentlichen Gärten, Spaziergänger zwischen den Pisten des Flughafens, Passant am Rand der Strassen, die in die Slums führen. Passant zwischen verschieden Welten, zwischen verschiedenen Kontinenten.
Nach Europa exportiert werden die Perlhühner zu Klageweibern, Meleagres Schwestern, die sich nicht über seinen Tod hiwegtrösten können. Stolz der königlichen Volieren und ein Volk von Einwanderern in unseren Hühnerhöfen, werden sie nicht fett wie das eingeborene Federvieh. In der Karibik ist das Perlhuhn, wild und unbezähmbar, das Symbol für die Revolte der Sklaven. Es ist das Vorzeichen von Geschehnissen, sein Warnruf bricht das Schweigen und verspricht das Furchtbare.
Ich habe mich des Perlhuhns bedient, um eine merkwürdige Welt zu erzählen, eine Welt, die im Warten auf eine brutale Änderung erstarrt ist, im Warten auf eine erschütternde Ankündigung, auf den Zusammenbruch eines Systems. Eine schon melancholische, schon nostalgische Welt.
Das wunderbare Buch « L'Oiseau Nègre » von J.-M. Lamblard und die Romane von J. M. Coetzee haben mich bei dieser Arbeit begleitet und mir immense Räume eröffnet, die ich noch lange nicht erforscht habe